Habe vorhin im SPON den Artikel zu der RTL-Serie „Super Nanny“ gelesen (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,757091,00.html). Das habe ich an sich auch erwartet, das die Jugendschützer hier mal einschreiten. Ich selber habe einige Folgen gesehen, und war doch ziemlich entsetzt, daß da die Leute von RTL untätig rumstehen und es zulassen, daß Kinder von ihren Eltern geschlagen und gedemütigt werden. Insgesamt ist das Format ziemlich daneben, weil es Kinder zum Objekt degradiert und in der Öffentlichkeit vorführt. Und das alles nur wegen Zuschauerzahlen. Also moralisch unterste Schublade, was da die Programmmacher von RTL veranstalten. Das eigentlich Schlimme ist aber, wie es in dem Artikel nochmal herrausgestellt wird, der katastrophale Einfluss auf Kinder und Jugendliche, die sich diese Sendungen anschauen. In meinen Augen vollkommen verantwortungslos. Und da muss ich mal sagen, daß ich froh bin, daß es hier Behörden gibt, die da auch mal einschreiten und diese Sachen unterbinden und an den Pranger stellen. Für mich als Pirat aber auch wieder einmal ein Gedankenanstoß, bei unseren Thema Jugend-Medien-Staats-Vertrag JMStV doch auch einmal genauer hinzuschauen, um zu verstehen, welche Motivation besteht, Internet-Zensur, wie das bei den Piraten genannt wird, einzuführen. Im Internet kommt man an noch viel härtere Sachen in Punkto Verwerfliches dran, und hier gibt es keine Behörde, die da mal einschreiten kann. Natürlich führt das im engeren Sinne zu Zensur, keine Frage, denn wie sollte man auch solche Inhalte für Jugendliche sperren? Aber berührt das nicht auch all die anderen Internetnutzer, die volljährig und aufgeklärt sind? Wie also soll man dieses Problem lösen? Es lagen ja einige Konzepte auf dem Tisch, wurden heiss in Gremien und Medien diskutiert, es gab Proteste und machtpolitische Spielchen. Es wurden wirklich schlimme Argumentskeulen geschwungen, letzt endlich kam es zu keiner Mehrheit in den Länderparlamenten. Dies wurde dann auch von allen Gegners als Sieg gefeiert, für ein freies Internet, gegen eine alles regulierende Zensur. Aber eine wirkliche Lösung gibt es immer noch nicht. Und dieses Thema wird uns noch sehr lange beschäftigen. Jetzt wird versucht, diese Zensur über andere Themen zu etablieren, siehe Glückspiel-Staatsvertrag. Aber ist das nicht ein Herumdoktern an Symptomen? Vielleicht sollten wir mal nicht immer auf die Auswirkungen schauen und alles immer dem Staat überlassen. Wir sollten mal wieder in unsere Gesellschaft schauen, insbesondere das Verhältnis Eltern-Kind-Medien betrachten? In meinen Augen werden diese sozialen Themen nicht ausreichend betrachtet und die Diskussionen gehen immer wieder in Richtung Verantwortung des Staates, der Staat muss alles reglementieren, für alles und jeden muss es eine Regel, ein Gesetz, eine Vorschrift geben, alles muss dann natürlich kontrolliert und ggfls. sanktioniert werden. Und damit es auch ja gerecht zu geht, muss man alle Einzelfälle gesondert betrachten, alles bis ins kleinste Detail durchfomulieren. Ja was wundern wir uns, daß die individuelle Freiheit immer mehr eingeschränkt wird, die Regulierung im Namen der „Gerechtigkeit“ immer weiter vorranschreitet und unsere Gesellschaft bald nur noch durch Gesetze und Vorschriften definiert wird? Was ist denn dann die „Freiheit“ noch wert? Welche Freiheit haben wir denn dann noch, wenn alles durch und durch geregelt ist? Haben wir bald noch nicht einmal mehr die Freiheit, etwas zu ändern?